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Samstag, 23. September 2017

#FFHH17 – Filmfest Hamburg 2017



Große Ereignisse werfen ja bekanntlich ihre Schatten voraus: Am 5. Oktober startet das 25. Filmfest Hamburg. Es werden 130 Filme in elf Sektionen gezeigt. Das Programm für zehn Tage Kino vom Feinsten ist bereits veröffentlicht und kann in allen teilnehmenden Kinos (CinemaxX Hamburg-Dammtor, Metropolis, Abaton, Passage, Studio-Kino) und auch online entdeckt werden. 

Wer sich online nicht so gern durch die einzelne Veranstaltungstage durchklicken möchte, dem empfehlen wir einen Blick in die Sektionen, beispielsweise TRANSATLANTIK (Kino aus den USA und Kanada), VOILÀ (französischsprachiges Kino), VITRINA (spanisch- und portugiesischsprachiges Kino), ASIA EXPRESS (Filmkulturen aus Fernost), VETO (Politisches Kino) oder auch KALEIDOSKOP (Filme aus aller Welt). Alle Filme werden in ihren Originalfassungen mit Untertiteln gezeigt. 

Das Filmfest Hamburg ist jedoch nicht nur ein Filmfestival für das Publikum, das Lust auf neue Kinofilme aus der ganzen Welt hat, sondern es zeichnet auch Filmproduktionen mit verschiedenen Preisen aus, z.B. mit dem Filmfest Hamburg Kritikerpreis, dem Commerzbank Publikumspreis, dem NDR Nachwuchspreis und dem Art Cinema Award (um nur einige zu nennen). Die Preise werden am Abschlusstag, dem 14.10., im Rahmen der Abschlussfeier vergeben. Zudem erhält beim Filmfest Hamburg alljährlich ein Filmschaffender den Douglas Sirk Preis. In diesem Jahr wird er einem der bedeutendsten deutschen Regisseure, Wim Wenders, überreicht. Im Rahmen dieser Veranstaltung, die am 13.10. stattfindet, wird Wim Wenders auch seinen neuen Film SUBMERGENCE (mit James McAvoy und Alicia Vikander) persönlich vorstellen.  

Es werden jedoch jede Menge anderer Gäste zum 25. Filmfest Hamburg erwartet. Um nur einige zu nennen: Claude Lanzmann (NAPALM, am 12.10.), François Ozon und Jérémie Renie (L’AMENT DOUBLE, am 10.10. und 13.10.), Ruben Östlund (THE SQUARE, am 14.10.), Buket Alakus (EINE BRAUT KOMMT SELTEN ALLEIN, am 7.10.), Volker Schlöndorff und David Striesow (DER NAMENLOSE TAG, am 9.10.), Lars Kraume (DENGLER – DIE SCHÜTZENDE HAND, am 9.10.), Mohammad Rasoulof (A MAN OF INTEGRITY, am 11.10. und 12.10.), Jonathan Dayton und Valerie Faris (BATTLE OF THE SEXES, am 11.10.), Denis Côté (A SKIN SO SOFT, am 11.10.), Felix Randau, Jürgen Vogel und Susanne Wuest (DER MANN AUS DEM EIS, am 7.10.), Luise Wolfram und Lars Eidinger (MATHILDE, am 8.10.), u.v.m.

Parallel zum Filmfest für die Großen geht auch in diesem Jahr wieder das Michel Kinder und JugendFilmfest an den Start. Eine jugendliche Jury wird den Michel Filmpreis vergeben.

Das Filmfestzentrum des Filmfest Hamburg befindet sich während des Festivals wieder im Festivalzelt auf dem Allende Platz. Dort kann man Infos bekommen, einfach nur einen Kaffee trinken und andere Filminteressierte oder auch Filmschaffende treffen, abends bei Livemusik Party feiern oder bei UNZENSIERT und KLAPPE AUF! Filmemachern in Talkrunden bzw. Interviews lauschen. Hier gibt es konkretere Infos zu den Rahmenveranstaltungen beim Filmfest.


Abschließend geben wir euch hier gern noch ein paar Tipps zum Programm, selbstredend vollkommen subjektiv (mit Links zum Programmhinweis auf der Seite des Filmfest Hamburg, wo ihr auch direkt Eintrittskarten kaufen könnt).
Meine erste Wahl beim Jubiläumsfilmfest ist Sean Bakers FLORIDA PROJECT (USA 2017) am 12.10. Seitdem ich 2015 beim Internationalen Filmfest Oldenburg die Gelegenheit hatte, Bakers TANGERINE (komplett mit seinem iPhone gedreht) zu sehen, bin ich gespannt auf seinen Nachfolger. Und der feierte im Mai in Cannes seine Premiere und wurde hoch gelobt. Sein iPhone hat Baker jedoch gegen eine 35mm-Kamera ausgetauscht. Ich glaube, diesen Film sollte man keinesfalls verpassen.

Der kürzlich verstorbene Harry Dean Stanton ist beim Filmfest Hamburg in LUCKY (USA 2017) in seiner letzten Rolle zu sehen. Allein, um den letzten Auftritt dieses großen Darstellers erleben zu können, sollte es einen ins Kino beim Filmfest Hamburg ziehen. LUCKY wird das Filmfest als Liebeserklärung an das Leben am 5.10. im CinemaxX 1 eröffnen, dafür dürfte es allerdings kaum noch Karten geben. Der Film hat jedoch zwei weitere Termine, und zwar ebenfalls am 5.10. im CinemaxX 2 sowie am 6.10. im Passage. Der Regisseur John Carroll Lynch (bisher als Schauspieler bekannt) wird bei allen drei Vorführungen seines Filmes vorbeischauen.  

Wesentlich düsterer als in LUCKY oder FLORIDA PROJECT geht es in Stephan Komandarevs DIRECTIONS (Bulgarien 2017) zu, der am 9.10. und am 12.10. gezeigt wird. Beim Filmfest Hamburg 2016 war mit GODLESS von Ralitza Petrova ein bulgarisches Drama mein persönlicher Lieblingsfilm und ich bin sehr gespannt auf Komandarevs Episodenfilm DIRECTIONS

Filmfestivals sind ja auch immer hervorragende Gelegenheiten, Filme anzusehen, die man möglicherweise sonst nie wird sehen können. Zwar zeigt das Filmfest Hamburg auch George Clooneys (nein, er wird nicht zu Gast sein) aktuelle Regiearbeit SUBURBICON mit Matt Damon und Julianne Moore, aber möglicherweise fasziniert einen ein Film wie Karim Moussaouis UNTIL THE BIRDS RETURN (Frankreich/Algerien, am 8.10. und 10.10.), der in drei Geschichten aus Algerien ein Land auf der Suche zeigt, viel mehr als ein Clooney-Film. 

Der französische Regisseur François Ozon hat mit FRANTZ einen meiner Lieblingsfilme des Jahres 2016 gedreht, jetzt wird er seinen erotischen Psychothriller L’AMANT  DOUBLE zusammen mit dem Darsteller Jérémie Renier am 10.10.und 13.10. persönlich in Hamburg vorstellen. 

Die Hamburger Produktionsfirma TamTam Film hat so wundervolle Filme wie den Kurzfilm BEIGE, die Kiezdoku MANCHE HATTEN KROKODILE und Max Zähles SCHROTTEN produziert (alle drei konnten wir in unserer Filmreihe DaF im METROPOLIS Kino präsentieren), jetzt sind Dirk Decker und Andrea Schütte mit der dänisch-deutschen Koproduktion LETTERS FOR AMINA (6.10. und 8.10.) beim Filmfest Hamburg vertreten. Am 6.10. werden sie mit dem Film, dem dänischen Regisseur Jacob Bitch und den dänischen Produzentinnen Brigitte Skov und Signe Leick Jensen im CinemaxX 8 zu Gast sein. 

Wer eine Fremdsprache lernt oder unterrichtet, wie wir es hauptberuflich tun, oder wer einfach einen Film genießen möchte, der ein raffiniertes Spiel mit dem Erlernen des Konditionalis im Spanischen und Zukunftsoptionen einer jungen Chinesin in Argentinien darstellt, der sollte sich ein Ticket für Nele Wohlatz‘ THE FUTURE PERFECT (8.10. und 10.10.) besorgen. 

Der chinesische Künstler Ai Weiwei, der mittlerweile in Berlin lebt, hat auf einer einjährigen Reise durch 23 Länder viele Menschen getroffen, die ihre Heimat wegen eines Krieges oder Elends verlassen mussten. In seinem Dokumentarfilm HUMAN FLOW (10.10. und 14.10.)  lässt er sie zu Wort kommen und stellt sie stellvertretend für die 65 Millionen vor, die sich derzeit auf der Flucht befinden. 

Im letzten Jahr verstarb mit Abbas Kiarostami einer der bedeutendsten iranischen Regisseure. Sein letztes Werk 24 FRAMES (Iran/Frankreich, am 6.10. und 8.10.) konnte er nicht mehr selbst fertigstellen, das übernahm sein Sohn Ahmad, sodass es nun die Möglichkeit gibt, noch einmal die große Kunst dieses Filmemachers auf sich wirken zu lassen. 

Wir schließen unsere Tipps mit einem anderen Großen, allerdings einem Großen der Musik. Der Regisseur Eugene Jarecki ist im Rolls Royce von Elvis Presley quer durch die USA gefahren und hat Fans des King of Rock‘n Roll (u.a. Ethan Hawke, Ashton Kutcher und Alec Baldwin) über Elvis und das Leben in den USA 40 Jahre nach dessen Tod sprechen lassen. Sein Dokumentarfilm PROMISED LAND: KING OF AMERICA ist eine Bestandsaufnahme der besonderen Art.  

Wir hoffen, wir konnten das Interesse für das Filmfest Hamburg und den einen oder anderen Film wecken und wünschen ein sehr schönes (das können wir eigentlich schon garantieren) und erfolgreiches Festival! Bis bald im Kino!

Mittwoch, 20. September 2017

3. Hamburger Stummfilmtage im METROPOLIS Kino



Am 21.9. starten im METROPOLIS Kino die 3. Hamburger Stummfilmtage, die in diesem Jahr unter dem Motto IMAGINING OCTOBER stehen und anlässlich 100 Jahre Oktoberrevolution und 60 Jahre Städtepartnerschaft Leningrad/St. Petersburg – Hamburg stattfinden. Sie werden in Kooperation mit der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und der Landeszentrale für politische Bildung veranstaltet. Neun Filme der 1920er und 1930er Jahre mit Live-Musikbegleitung stehen auf dem Programm. 

Vor 100 Jahren, im Oktober 1917, begann mit dem Sturm auf das Winterpalais in St. Petersburg die Russische Revolution. Auch im Film wurde das Thema „Revolution“ aufgegriffen und das Bild eines Neuen Menschen kreiert, ein Übermensch, der dem Kollektiv dient, oder, wie Leo Trotzki es 1923 formulierte: „Der Mensch wird unvergleichlich viel stärker, klüger, feiner werden.“

Das sowjetische Kino bildete dabei weniger die Realität als vielmehr den utopischen sozialistischen Traum ab. Das METROPOLIS Kino zeigt Klassiker der Sowjetavantgarde und Raritäten durch Live-Musik und Einführungen von Thomas Tode begleitet.

BETT UND SOFA (Tretja meschtschanskaja, SU 1926) eröffnet am 21.9. um 19.00 Uhr die Stummfilmtage. Das Gitarrenorchester Gilbert Couché wird die Filmvorführung musikalisch begleiten. 

Weitere Highlights der Stummfilmtage sind u.a.: AELITA: DIE REISE ZUM MARS (SU 1924, Jakow Protasanow) mit Live-Musik vom Adventure Orchestra of Interplanetary Passion am 25.9. (20.00), BRÜDER (D 1929, Werner Hochbaum) mit Live-Musik von Hans-Christoph Hartmann (Saxophon) und Krischa Weber (Cello) am 22.9. (20.00), OKTOBER (SU 1928, Sergei Eisenstein) live begleitet von Marie Luise Bolte am Klavier am 23.9. (20.00) sowie IM FRÜHLING (SU 1929/30, Michail Kaufman) mit Live-Musik von Helgoland + Nathurn Stak am 26.9. (20.00).


Infos zum gesamten Programm findet man hier auf der Webseite des Kinos. 

Karten für die Stummfilmtage kann man online oder direkt an der Kinokasse erhalten.Der Eintritt kostet jeweils 10€ und 7€ für Mitglieder der Kinemathek Hamburg. Sehr empfehlenswert ist übrigens die 5er-Karte für 25 €, die jedoch ausschließlich an der Kinokasse erworben werden kann.
Der Eintritt für die Veranstaltung mit Tuten & Blasen am 24.9. beträgt 15 €  bzw. 10 €.

Wir empfehlen unbedingt den einen oder anderen Besuch und wünschen schöne und erfolgreiche Stummfilmtage! 

Einen sehr lesenswerten Artikel über Sergei Eisenstein mit interessanten Hintergrundinformationen gibt es hier bei ZEIT ONLINE. 

Dienstag, 19. September 2017

Ein Rückblick auf das erneut wundervolle Internationale Filmfest Oldenburg



Dieses Filmfestival ist mehr als einen Besuch wert und lädt mit seiner angenehm sympathischen und gewinnenden Atmosphäre zur Wiederholungstat ein. Wer einmal dabei war, der möchte eigentlich immer wiederkehren. Dabei habe ich bisher immer die als legendär beschriebenen Partys verpasst ….

Das Internationale Filmfest Oldenburg steht für ambitioniertes und risikofreudiges Independent-Kino jenseits von Blockbuster- und Mainstream-Produktionen, weshalb es auch den Beinamen „deutsches Sundance“ erhielt, dem es alle Ehre macht mit Weltpremieren und auch internationalen Premieren. Mit insgesamt über 16.000 Zuschauern in den Festivalkinos, der EWE-Arena, dem Oldenburgischen Staatstheater und in den weltweit einzigartigen JVA-Vorführungen, wo Gäste und Insassen gemeinsam Kino erleben können, fand das Filmfestival auch in diesem Jahr regen Zuspruch.


Die 24. Ausgabe des Festivals eröffnete am 13.9. mit der Weltpremiere von Kubilay Sarikayas und Sedat Kirtans Erstlingsfilm FAMILIYE (D 2017), der von über 1500 Zuschauern in der ausverkauften EWE Arena begeistert gefeiert wurde. Zu diesem Zeitpunkt wusste natürlich noch keiner der Besucher, dass er den späteren Gewinner des Hauptpreises, des German Independence Award, gesehen hatte (dieser Preis beruht auf dem Votum der Zuschauer und wird aus zehn nominierten Filmen ermittelt). Vielleicht hat es der eine oder andere dann doch schon geahnt oder zumindest erhofft. Bei der Preisverleihung wurden die beiden Filmemacher jedenfalls erneut stürmisch gefeiert.


Eine weitere gefeierte Premiere war Santiago Rizzos QUEST (USA 2017), in dem der diesjährige Tribute-Ehrengast Lou Diamond Phillips eine tragende Rolle spielt. Der jugendliche Hauptdarsteller Gregory Kasyan wurde für seine Rolle mit dem Seymour Cassel Award für den besten männlichen Darsteller belohnt. Für ihn nahm bei der Abschlussgala der Regisseur Santiago Rizzo den Preis entgegen. Rizzo hat in QUEST seine eigene Lebensgeschichte packend und authentisch verfilmt.

Der Seymour Cassel Award für die beste Darstellerin ging an Lindsay Burdge für ihre Darstellung in Nathan Silvers THIRST STREET (F/USA 2017).


Das Advisory Board ehrte zudem den Film BLIND UND HÄSSLICH (D 2017) von Tom Lass mit einer Special Mention und lobte dabei besonders die „starke Performance des Ensembles“. Einige Besucher unserer Filmreihe DaF haben möglicherweise Tom Lass‘ PAPA GOLD im METROPOLIS Kino Hamburg sehen können, den wir im Oktober 2013 gezeigt haben.

Die Kurzfilmjury, bestehend aus der Produzentin Martina Valentina Baumgartner, dem Schauspieler Nic Romm und dem Regisseur Benjamin Teske, vergab den German Independence Award für den Besten Kurzfilm an Thierry Besselings und Loic Tansons SUR LE FIL (Luxenburg 2017). Da ich den Film bei den Sunday Shorts (neben weiteren starken Kurzfilmen) ansehen konnte, kann ich bestätigen, dass es eine sehr gute Wahl ist. 



Eine lobende Erwähnung fand die Kurzfilmjury zudem für Philipp Andonies VAND (Schweiz 2016). Ein Kurzfilm, der mit einer Lauflänge von nur etwa 60 Sekunden seinem Genre alle Ehre macht. Für die Geschichte eines Fischers, der auf einem See zur Ruhe und Besinnung kommen kann und sich dort seiner Probleme entledigt, erhielt Andonie bei der Preisverleihung während der Closing Night Gala von der Jury eine zu seinem Film passende Belohnung (siehe Foto unten).  


Die diesjährige Retrospektive des Filmfest Oldenburg galt erstmalig einem Filmproduzenten, nämlich Edward R. Pressman, der für 50 Jahre Filmschaffen aus Hollywood steht (u.a. BADLANDS, WALL STREET, AMERICAN PSYCHO). Wie auch dem zweiten Ehrengast, Lou Diamond Phillips, wurde auch  Edward R. Pressman bei der Filmfest-Gala des Festivals im Oldenburger Staatstheater der German Independence Honorary Award verliehen.

Für großes Aufsehen sorgte auch ein deutscher Schauspieler: Moritz Bleibtreu, Ko-Produzent des Films FAMILIYE, enthüllte im Rahmen des Festivals den 11. Stern auf dem OLB-Walk of Fame

Ich persönlich habe erneut beim Filmfest Oldenburg sehr starke Independent-Filme entdecken können, von denen ich mir eigentlich auch noch viel mehr in unseren Hamburger Kinos wünschen würde. Außerordentlich gut gefallen haben mir:

·         Karl R. Hearnes TOUCHED (Kanada 2017), ein sehr intensives Drama mit einem beeindruckenden Hauptdarsteller (Hugh Thompson), das irgendwo zwischen Crime, Drama und Mystery angesiedelt ist


 ·         Simon Rumleys CROWHURST (GB 2017) über den unerfahrenen Segler Donald Crowhurst, der im Jahr 1968 aufgrund finanzieller Probleme die erste alleinige Nonstop-Umsegelung der Welt riskieren will, denn es winkt eine Prämie in Höhe von 5000 Pfund. Luis Bunuels Surrealismus lässt in diesem eindringlichen Film grüßen. 

·         MIDNIGHTERS (USA 2017) vom Regisseur der Serie THE WALKING DEAD, Julius Ramsay. Ein harter Thriller, der sich immer tiefer in eine Spirale der Gewalt dreht und die Abgründe menschlicher Gier und Boshaftigkeit offenlegt.

 
·         IN THE FLESH (Thailand 2017) von Kong Pahurak über ein von Krieg zerrüttetes Land, in dem die Menschen sich an strenge Regeln halten müssen und dem sie nicht entfliehen können. Doch die 17jährige Daryn versucht es dennoch – mit schlimmen Konsequenzen. Der Film ist Kong Pahuraks außerordentlich starkes, größtenteils in Schwarzweiß gedrehtes, Debüt. Im Q&A gab er an, dass er seine Abschlussarbeit über Ingmar Bergman geschrieben habe.

 
·         Kurzfilm DIE BESONDEREN FÄHIGKEITEN DES HERRN MAHLER (D 2017) von Paul Philipp. Der Film spielt in der DDR des Jahres 1987 und André M. Hennicke versucht als Sonderermittler der Volkspolizei auf seine besondere Art den Fall eines verschwundenen Jungen aufzuklären.

·         Kurzfilm HOLD ON (Niederlande 2017) von Charlotte Scott-Wilson. Eine junge Cellistin kämpft mit Selbstzweifeln und versucht auf verschiedene Weise ihre Unsicherheit und Panik während der Konzerte des Orchesters abzulegen.

·         Die beeindruckende Darstellung einer möglichen Zukunft der Kunst (in diesem Fall des Films), die nicht mehr von Menschen erschaffen wird, sondern von einer KI, die perfekte Filme auf Basis von Zuschauerreaktionen errechnet und auswirft. Eine beängstigende Zukunft, nicht nur für die Protagonistin (eine Filmemacherin): Kurzfilm REAL ARTISTS (USA 2017, Cameo Wood).

·         Mein Favorit beim diesjährigen Filmfest Oldenburg (ich habe allerdings eine ganze Menge anderer Filme nicht sehen können, u.a. DIE NILE HILTON AFFÄRE), der zur herrlichen Mitternachtszeit gezeigt wurde: THE ENDLESS (USA 2017) von Justin Benson und Aaron Moorhead, die auch die Hauptrollen übernommen haben. Benson und Moorhead spielen zwei Brüder, die vor zehn Jahren nur knapp dem Massenselbstmord ihrer Sekte entkommen konnten. Als sie vor ihrem Haus eine Videokassette mit Aufnahmen der Mitglieder der Sekte finden, die offenbar noch am Leben sind, wollen sie der Sache auf den Grund gehen. Was sie dann erleben werden, wird über ihre Zukunft entscheiden. Ein ruhiger Horrorfilm, der erst allmählich den Wahnsinn im Tal der Sekte offenbart und der mich immer noch ein wenig beunruhigt. Eine Geschichte, wie sie auch von H. P. Lovecraft hätte ersonnen haben können.

 
Ich bin schon jetzt sehr gespannt auf die 25. Ausgabe des Internationalen Filmfest Oldenburg und bedanke mich beim gesamten Festival-Team für die tolle 24. mit einer starken Filmauswahl und dem zuvorkommenden Service!  
Regina Nickelsen (Filmteam Colón)

Fotos: Regina Nickelsen