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Mittwoch, 21. September 2016

FILMFEST HAMBURG 2016



Mehr als 150 Filme aus vielen Ländern der Welt stehen beim Filmfest Hamburg im Zeitraum von 10 Tagen auf dem Programm (alle laufen in Originalfassung mit Untertiteln) und die Mischung ist wie immer wundervoll, sodass für jede/n etwas dabei sein sollte. Das Filmfest startet am 29. September. 

Der Vorverkauf hat nicht nur in den teilnehmenden Kinos (u.a. METROPOLIS Kino, Abaton, Passage und Studio) begonnen, sondern auch online

Das Programm mit ausführlichen Infos zu den Filmen könnt ihr hier einsehen.


Die Tickets kosten 9,50 €, online gibt es jedoch auch die Möglichkeit beim Erwerb von 10 bzw. 15 Eintrittskarten bis zu 30 Prozent zu sparen. Wenn ihr auf diesen Link klickt, könnt ihr dort 15er-Online-Spezial bzw. 10er-Online-Spezial wählen. Zunächst müsst ihr dieses Online-Spezial-Ticket kaufen, erhaltet dann einen Aktionscode, mit dem ihr die einzelnen Karten erwerben könnt. 

Und dann erwarten euch politische Filme in der Sektion VETO! (immer sehr empfehlenswert), Hamburger Perlen (Sektion HAMBURGER FILMSCHAU), US-amerikanische Filme (TRANSATLANTIK), Filme aus u.a. Thailand, China, Hongkong, Korea und den Philippinen (ASIA EXPRESS), französischsprachige Filme (VOILÀ), spanisch- und portugiesischsprachiges Kino (VITRINA), eine Auswahl bedeutender mexikanischer Filme aus dem Zeitraum 1955 bis 2005 (MEXIKO DELUXE), Filme aus aller Welt, u.a. aus Israel, Iran, Ägypten, Algerien, Polen, Großbritannien, den skandinavischen Ländern, der Türkei, Bulgarien, Österreich  (KALEIDOSKOP, aber auch FREIHAFEN), und noch viel mehr (beispielsweise das MICHEL KINDER UND JUGEND FILMFEST).


Am besten schaut ihr selbst mal rein, aber wir haben auch ein paar Tipps für euch (rein subjektiv ausgewählt):

THE LONG NIGHT OF FRANCISCO SANCTIS aus Argentinien, (u.a. am 30.9.)

AMERIKANISCHES IDYLL, Regiedebüt des Schauspielers Ewan McGregor (30.9.)

IN THE BLOOD, Coming-of-Age aus Dänemark (u.a. am 1.10.)

DARK NIGHT aus den USA (u.a. am 1.10.)

GIMME DANGER, Jim Jarmusch‘ Doku über Iggy Pop und The Stooges (u.a. am 1.10.)

JESUS aus Chile (u.a. am 1.10.)

THE GIRL WITHOUT HANDS, animierter Film aus Frankreich (u.a. am 2.10.)

EXIL aus Cambodia/Frankreich (u.a. am 2.10.)

KINDIL EL BAHR, Algerien/Kuwait/USA (u.a. am 2.10.)

GRADUATION, neuestes Werk des rumänischen Regisseurs Cristian Mungiu (u.a. am 2.10.)

MARIE CURIE, Spielfilm über die polnische Physikerin Marie Sklodowska Curie (u.a. am 2.10.)

EVERYBODY’S CAGE, ein Essay über den amerikanischen Komponisten John Cage (nur am 2.10.)

PERSONAL SHOPPER von Olivier Assayas, nach seiner Premiere in Cannes heiß diskutiert (u.a. am 3.10.)

ELLE von Paul Verhoeven mit der großartigen Isabelle Huppert, der ebenfalls in Cannes für Gesprächsstoff sorgte (u.a. am 3.10.)

INVERSION aus Iran (u.a. am 4.10.)
…….

Und jetzt hören wir auf mit unseren Tipps, denn wir könnten das endlos fortsetzen.

Nur einen für Menschen mit Sitzfleisch hätten wir da noch: Lav Diaz‘ neues Werk THE WOMAN WHO LEFT (Philippinen, 228 Min.), gerade erst in Venedig mit dem Goldenen Löwen für den besten Film ausgezeichnet. Der Film läuft am 1.10. im B Movie und am 8.10. im CinemaxX Dammtor.

Man sieht sich beim Filmfest Hamburg! Und wir wünschen den Festivalmachern ein schönes und erfolgreiches Festival und euch Besuchern viele wundervolle Filmentdeckungen!


Montag, 19. September 2016

Internationales Filmfestival Oldenburg 2016 – Ein Besuch



Wie heißt es so schön in einem Slogan des Festivals: “Five Days to Blow Your Mind“. Für mich waren es in diesem Jahr beim Filmfest Oldenburg zwar nur zwei Tage (im Jahr 2015 leider nur einer – nächste Jahr dann ….), aber diese beiden Tage  haben sich wirklich gelohnt. Eine überaus sympathische und entspannte Festivalatmosphäre, eine starkes Filmprogramm, fachkundiges Publikum, das die vielen Independent-Produktionen mit einem Besuch und Wertschätzung belohnt, Anwesenheit sehr vieler Filmemacher auch noch bei den zweiten Vorführungen ihrer Filme, eine gelungene Organisation, Filmvorführungen zur tollen Mitternachtszeit (am Samstag um 23.45 Uhr), ….. Schön war’s in Oldenburg! 


Auszeichnungen gab es natürlich auch:
Der Hauptpreis, der German Independence Award für den besten Film in der Independent-Reihe des Filmfests ging an die türkische Produktion THE APPRENTICE (Türkei 2016) von Emre Konuk. Ich habe diesen Film nicht ansehen können, meine Hamburger Freunde von Shakedown Films bestätigten mir jedoch, der Preis sei sehr verdient.

Der German Independence Award für den Besten Kurzfilm ging ebenfalls an einen türkischen Film, THE CIRCLE von Ruken Tekes, der die Jury mit seiner „universellen Relevanz“ überzeugte und sie mit seiner „allegorischen, beispielhaften Kraft und seiner poetischen Bildsprache extrem bewegte“. 

Der Seymour Cassel Award für die besten Darsteller ging in diesem Jahr an Noémie Merlant  für ihre Hauptrolle in TWISTING FATE sowie an André Hennicke in STRAWBERRY BUBBLEGUMS, mit dem das Filmfest Oldenburg am 14.9. eröffnet worden war. 

Zu den Gästen des diesjährigen Festivals gehörten u.a. Nicolas Cage und Amanda Plummer und der französische Regisseur Christophe Honoré, die in Tributes bzw. Letzterer in einer Retrospektive geehrt wurden.  

Ich habe an zwei Tagen fünf Filme angesehen, auch wenn der Zeitplan mindestens zwei weitere Veranstaltungen zugelassen hätte. So aber blieb Zeit, auch mal entspannt ein Bierchen in der Hotelbar zu genießen. Hier sind sie (beim Klick auf die Filmtitel gelangt man zu den Webseiten der Filme):

Alle fünf Filme haben mir wirklich sehr gut gefallen, insbesondere Cameron Bruce Nelsons SOME BEASTS (USA 2015), ein visuell starker Film über einen Mann, der in einer Hütte in der Abgeschiedenheit der Appalachen lebt und durch zwei Ereignisse aus seinem ruhigen Leben in Einklang mit der Natur gerissen wird. Ein beeindruckendes Debüt! 


SHE'S ALLERGIC TO CATS, bewusst auf VHS-Qualität reduziertes Low-Budget-Werk des in Hollywood lebenden Videokünstlers Michael Reich mit Sonja Kinski (der Tochter Nastassja Kinskis) in der weiblichen Hauptrolle. Es ist in vielen Teilen die Geschichte Reichs selbst, der früher in Hollywood als Hundefrisör arbeitete. Im Film spielt sein Freund Mike Pinkney den „dog groomer“, der von einer Karriere als Regisseur träumt. Sein erstes Projekt soll eine Art Remake seines Lieblingsfilms CARRIE werden, in dem Katzen (!) die Protagonisten sind. Er kämpft mit allerlei Unwägbarkeiten in seinem Leben, u.a. mit Ratten in seinem heruntergekommenen Häuschen, die seine Bananen fressen. Klingt nicht gut? Aber doch, es war ein amüsantes, experimentelles Filmerlebnis, das Spaß gemacht hat und zeigt, dass man Filme auch mal ganz anders machen könnte. 


Vor Reichs Film konnte man den ebenfalls sehr gelungenen (aber konventionell erzählten) Kurzfilm INDIGO der kanadischen Regisseurin Jody Wilson entdecken, den sie ausschließlich mit japanischen Darstellern und auch in japanischer Sprache gedreht hat. 

STRAY BULLETS (USA 2016), erstaunlich reifes Langfllmdebüt des erst 16jährigen Jack Fessenden, in dem er den Waffenkult aufs Korn nimmt. Im Q&A nannte Fessenden Tarantinos RESERVOIR DOGS als Inspiration für seinen Film. Larry Fessenden, Vater des Regisseurs, übernahm die Kameraarbeit und spielte einen der Ganoven. 


DAS LETZTE ABTEIL (D 2015), des in Oldenburg áufgewachsenen Regisseurs Andreas Schaap. Das Heimspiel sorgte für einen vollen Saal zur mitternächtlichen Zeit. Ja, und dieser Film arbeitet noch in mir. Sechs Menschen in einem Zugwaggon, der irgendwo in den Alpen von einer Lawine begraben wurde. Es bleibt nicht mehr viel Zeit, denn die Luft wird langsam knapp und die Rettungskräfte lassen auf sich warten. Vordergründig gibt es Elemente aus Horror- und Katastrophenfilmen, doch letztendlich geht es in dem Film um eine Mutter, die nach einem Selbstmordversuch seit vielen Jahren im Koma liegt, und ihre Tochter, die vor der Entscheidung steht, Sterbehilfe zu leisten und sich auch der Schuld der Mutter zu stellen, die vor ihrem Suizidversuch den Tod zweier junger Menschen zu verantworten hatte. Es führt nur ein Weg raus aus dem letzten Abteil. 


THE NOONDAY WITCH (Tschechien 2016), Regie Jiri Sádek. Psychothriller mit Horrorelementen nach dem tschechischen Gedicht über eine Mittagshexe, die sich Kinder holt. Auch hier trügt der Schein ein wenig, denn im Mittelpunkt des Films steht doch eher die Überforderung einer alleinerziehenden Mutter, die ihren Mann durch Selbstmord verloren hat. Es geht um Verlust und die Sorge einer Mutter um ihr Kind, eine Sorge, die sie den Realitätssinn allmählich verlieren lässt. Wer ist tatsächlich die Mittagshexe im heißen tschechischen Sommer, die das Kind aus dem Leben reißen könnte? 

 
Ich bin gespannt, ob einer dieser Filme einen regulären Kinostart in Deutschland erleben wird. Vertrauen tue ich darauf nicht, denn das weltweite Filmangebot ist doch einfach zu groß, um auch nur einen Bruchteil dieser Filme in deutschen Kinos erwarten zu können. Perlen wie diese wird man häufig nur auf Filmfestivals wie beispielsweise dem tollen Filmfest Oldenburg erleben und entdecken können. Das ist bedauerlich, aber umso mehr ein Grund, im nächsten September wieder nach Oldenburg zu fahren. Freue mich schon darauf!

Mittwoch, 14. September 2016

DER NACHTMAHR von AKIZ im Oktober 2016 bei DaF



Mutiges, spannendes und wildes, aber auch nachdenklich stimmendes und melancholisches deutsches Kino gibt es in unserer Filmreihe DaF am 12.10.2016 im METROPOLIS Kino mit dem sehr besonderen Coming-of-Age-Film DER NACHTMAHR von AKIZ.

Tina (Carolyn Genzkow) ist 17 Jahre alt und in Berlins Clubszene bestens zu Hause. Sie probiert Drogen und Alkohol und tanzt durch die Nacht. Doch plötzlich ändert sich alles, als sie von einem Wesen verfolgt wird, das sich in der heimischen Küche den Bauch vollschlägt. Ihre Eltern und auch ihre Freunde glauben ihr jedoch nicht und der Psychologe, der zu Rate gezogen wird, empfiehlt Tina, sich dem Monster zu stellen.

Als Tina das Wesen dann tatsächlich annimmt, können es auch die anderen wahrnehmen. Doch während Tina den Nachtmahr jetzt akzeptiert und eine enge Verbindung zu ihm spürt, sehen ihre Eltern in ihm nur das Monster, das eliminiert werden muss.

Der Film gibt viel Raum für die eigene Interpretation und lässt offen, was Realität und Traum/Phantasie ist, und schenkt dem Zuschauer ein Monster, dem er zunehmend Empathie entgegenbringen kann.  

Wir garantieren euch ein einzigartiges Kinoerlebnis, das auch international bei diversen Festivals vom Publikum gefeiert wird. Und ein sehr starkes, ja schönes Schlussbild!

(Und keine Angst vor zu viel Horror: Der Film ist ab 12 Jahren freigegeben)

„Der Film "Der Nachtmahr" des Künstlers Akiz ist eine rauschhafte Coming-of-Age-Geschichte.“ ZEIT ONLINE 

„DER NACHTMAHR drängt, pocht, schwebt. Hinaus in die Welt und hinein ins Innere. Psychologie wird als externes Erlebnis anschaulich, genauso wie es das Kino am besten kann. Verstehen eben nicht als auditives Vermögen, das auf Dialogzeilen angewiesen ist, sondern als visuelles und körperliches Können, das empfänglich ist für Bewegungen, Formen, Handlungen und die ganze Ausdruckskraft des Bildrepertoires der Gegenwart.“ SPIEGEL ONLINE 

„DER NACHTMAHR ist eines jener Werke, die wir später einmal, wenn dieser Weg vollendet ist, als Meilensteine anerkennen werden. Momentan ist er allerdings vor allem eines: ein Hoffnungsschimmer. In Neonschwarz.“ Joachim Kurz, kino-zeit.de 

„Fernab von schnöder Mahnfabel und grauer Theorie: Akiz’ Horrorfilm löst im Betrachter ein Gefühl aus, das schmerzhaft und berauschend zugleich ist – und wahrt dabei die Ambivalenz und Freiheit, die wirklich intelligentes Kino auszeichnet.“ critic.de 

Text: Regina Nickelsen, Colón Language Center


DaF im METROPOLIS Kino Hamburg  am 12.10.2016 um 19.00 Uhr:

DER NACHTMAHR
Deutschland 2016
Regie: AKIZ
Lauflänge: 91 Min.

Fotos & Trailer: © Koch Media


„Damals hatte ich die erste der beiden Lektionen gelernt, die ich beim Nachtmahr  lernen sollte. Das Neue/das Einzigartige/das Fremde/das Unerforschte muss für Produzenten in Deutschland das Aller-aller-aller-Schlimmste sein, was es überhaupt gibt. Scheinbar kommt es einem an physischen Schmerz grenzendem Gefühl nahe, mit etwas konfrontiert zu werden, das sie nicht bereits mehrfach erfolgreich realisiert gesehen haben. Egal ob Komödie oder Sozialdrama. Ich weiß nicht, ob sich einer von euch da draußen das Gefühl vorstellen kann, als ich dann - viele Jahre später - den Film mit meiner letzten verbleibenden Kraft und einer eingeschworenen Cliquean Filmemachern, Freunden, Schauspielern und Musikern um mich herum realisiert habe. Ohne Budget, aber mit der Bereitschaft, notfalls nur an den Wochenenden zu drehen—solange bis der Film fertig ist. Oder das Gefühl wie es war, als der Film dann plötzlich fertig war und auf eine Festivalreise um die ganze Welt gezogen ist. Wie es ist, nachts auf dem Hollywood Boulevard zu stehen, während der Film im ausverkauften Mann's Chinese Theatre läuft. Oder wenn plötzlichZusatzvorführungen von den Festivals gebucht werden, obwohl der Film bereits mehrmals in vollen Sälen mit bis zu 1.000 Plätzen gelaufen ist. Wie es ist, Straßenkids in Rio zu sehen, die keinen einzigen deutschen Dialog oder englischen Untertitel lesen können, aber den Film feiern, als gäbe es kein Morgen. Oder wie es ist, wenn sich ein schwerbehinderter Mann fortgeschrittenen Alters nach einer Vorführung mit leuchtenden Augen für den Film bedankt und sagt: „Ich weiß, was der Film bedeutet!! Ich weiß es. Er bedeutet, dass man lernen muss, sich selbst zu lieben, stimmt's?" Regisseur AKIZ, Vice